Selbstreflexion: Habe ich emotionalen Missbrauch erlebt?

Eine ehrliche Selbstreflexion

Habe ich emotionalen Missbrauch erlebt? Dieser Fragebogen ist kein Test und keine Diagnose. Er ist eine Einladung, ehrlich hinzuschauen – vielleicht zum ersten Mal mit klaren Fragen statt diffuser Zweifel. Nimm dir zehn ruhige Minuten. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Es gibt nur deine Erfahrung.

Beantworte jede Frage für dich mit: Ja / Manchmal / Nein

Die Beziehung

  1. Gab es am Anfang eine Phase, die sich fast zu perfekt anfühlte – intensive Nähe, große Versprechen, das Gefühl von Seelenverwandtschaft?
  2. Hat sich das später verändert – hin zu Kritik, Kälte oder Abwertung, oft unvorhersehbar im Wechsel mit guten Phasen?
  3. Wurdest du für Dinge verantwortlich gemacht, die du nicht getan hast – oder war am Ende eines Streits regelmäßig alles deine Schuld?
  4. Wurde dir gesagt, du seist „zu empfindlich“, „zu emotional“ oder du würdest dir Dinge „einbilden“?

Deine Wahrnehmung

  1. Hast du angefangen, an deinem Gedächtnis oder deiner Wahrnehmung zu zweifeln („Habe ich das wirklich so erlebt?“)?
  2. Hast du Gespräche oder Ereignisse heimlich notiert oder gedanklich wieder und wieder durchgespielt, um dir sicher zu sein, was wirklich passiert ist?
  3. Fällt es dir schwer, Entscheidungen zu treffen, ohne dich innerlich abzusichern oder zu rechtfertigen?

Dein Verhalten

  1. Hast du dein Verhalten, deine Worte oder dein Aussehen angepasst, um Konflikte oder schlechte Stimmung zu vermeiden?
  2. Hast du Kontakte zu Freunden oder Familie reduziert – weil es einfacher war oder weil sie „nicht gut für dich“ seien?
  3. Hast du eigene Wünsche, Hobbys oder Ziele aufgegeben, weil sie lächerlich gemacht wurden oder keinen Platz hatten?
  4. Entschuldigst du dich häufig – auch für Dinge, die keine Entschuldigung brauchen?

Deine Gegenwart

  1. Bist du oft erschöpft, angespannt oder „auf der Hut“, auch wenn objektiv keine Gefahr besteht?
  2. Fällt es dir schwer zu sagen, was du fühlst oder brauchst – als wäre der Zugang dorthin verschüttet?
  3. Kreisen deine Gedanken weiter um diese Person, obwohl du Abstand willst?
  4. Fragst du dich, ob das, was du erlebt hast, „schlimm genug“ war, um Hilfe zu verdienen?
  5. Vermisst du diesen Menschen manchmal – und schämst dich dafür?

Zur Einordnung

Wenn du mehrere Fragen mit „Ja“ oder „Manchmal“ beantwortet hast: Das, was du erlebt hast, könnte emotionaler Missbrauch gewesen sein – und deine Erschöpfung, deine Zweifel, dein Kreisen sind normale Reaktionen darauf. Du bildest dir das nicht ein. Und: Die letzten beiden Fragen beantworten sich damit von selbst – ja, es war schlimm genug. Und nein, du musst dich für nichts schämen. Auch die Sehnsucht nach jemandem, der dich verletzt hat, hat nachvollziehbare Gründe. Genau darüber sprechen wir, wenn du möchtest.

Wichtig: Diese Selbstreflexion ersetzt keine Diagnose und keine therapeutische Abklärung. Wenn du unter starken Belastungen leidest – Schlaflosigkeit, Panik, anhaltende Verzweiflung – sprich bitte zusätzlich mit einer Ärztin, einem Therapeuten oder deiner Hausarztpraxis.

Wenn du in einer akuten Gefahrensituation bist: Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016 (kostenfrei, rund um die Uhr, anonym). In akuter Gefahr: 110.

Wenn du verstehen möchtest, was dauerhafte Verunsicherung im Körper anrichtet: Was ist eigentlich ein Trauma? – und woran du Gaslighting erkennst.